Informationen über
Sphynxratten und Nacktratten
Herkunft und Entstehung
Die Immuninkompetenz dieser Ratten gründet sich auf einem autosomal rezessiven
Gendefekt, der zum ersten Mal 1953 als spontane Mutation am
Rowett Research Institute in Aberdeen (England/Schottland) auftrat.
Ratten mit dieser Mutation besitzen einen zystischen und non-funktionalen
Thymus.
Die Lymph-Knoten und Peyer-Plaques weisen eine lymphozytäre Depletion in den
T-Lymphozyten abhängigen Regionen auf.
Etwa Anfang 1970 tauchten die ersten Ratten bei Privatpersonen in den Zuchten
auf.
Wie die Tiere den Weg in die private Haltung gefunden haben
lässt sich nicht mehr mit Sicherheit klären.
Die ersten Haltungs- und Zuchtbeschreibungen waren sehr niederschmetternd.
Lassen sich aber dadurch erklären, das die ersten Tiere noch aus Laborbeständen
stammten. Da diese Ratten in der Laborzucht ein unterentwickeltes Immunsystem
besitzen, unter steril Verhältnissen gehalten wurden und besonderes Futter
erhalten haben, gab es viele Probleme mit diesen Zuchtstämmen.
Durch das Einkreuzen, resistenter Stämme wurde das Immunsystem der
Ursprungstiere
langsam verbessert. Viele der Vorurteile, die Krankheitsanfälligkeit und die
schlechte Züchtbarkeit resultieren auf den Aussagen der ersten Halter.
Wenn man darüber nachdenkt, dürfte klar sein das die Haltung in einem
modernen Labor sich grundlegend von der einer Privatperson unterscheidet.
Leider werden die Aussagen von früher auch noch heute aus Unkenntnis oder
Unwissenheit weiter verbreitet.
Die derzeit in Europa gehaltenen Nacktratten besitzen bessere Eigenschaften
was das Immunsystem und die Resistenz betrifft als die Ursprungstiere aus der
Zucht des Rowett Research Institute.
Genetisch sind die Nacktratten nicht mehr vergleichbar, durch unzähliges
Einkreuzen
sind völlig neue Linien entstanden, die nur noch teilweise dem Phänotyp der
echten
Rowett Nude Rats entsprechen.
Ursprüngliches Zuchtziel:
Nacktratten werden Forschungstechnisch oft als Model für verschiedene Bereiche
verwendet. Zu diesen Bereichen gehört : Immunforschung da die eigentlichen
Zuchtstämme ein unterentwickeltes Immunsystem besitzen und die Lepraforschung
( hier Mycrobacterium leprae ), der Di-George Syndrom ähnliche Defekt
beschreibt einen Thymus Zellen defekt der sowohl bei Nacktmeerschweinchen,
Nacktratten und Nacktmäusen beschrieben wird. An dieser Stelle nochmals
der Hinweis das es sich bei diesen Angaben immer um den direkten Bezug zu den
ursprünglichen Laborzuchtstämmen ( Rowett Nude Rats ) handelt.
Durch die Zuchtbemühungen weltweiter Liebhaber haben die heute in
Liebhaberbeständen befindlichen Tiere fast nichts mehr genetisch mit den
ursprünglichen Laborstämmen gemeinsam. Die heutigen bei Liebhabern gehaltenen
Tiere sind resistenter und durch das einkreuzen anderer Stämme auch
Widerstandsfähiger geworden.
Heutiger Stand der Zucht im privaten Bereich:
Durch diese Einkreuzungen gibt es inzwischen mehrere Formen der Nacktratten
in der privaten Haltung die sich durch einige Merkmale unterscheiden.
Manchmal sind diese Linien erbrein, oftmals aber auch untereinander gemischt.
So gibt es Nacktratten mir reduzierten Augenliedern und Tasthaaren,
sowie keinem Fellansatz - diese Linien werden vorwiegend in den USA gezüchtet.
Diese entsprechen noch am ehesten den ursprünglichen Zuchtstämmen.
Dann gibt es Linien die noch eine "Restbehaarung" vorwiegend im
Kopfbereich und an den Füssen aufweisen, ansonsten aber Nackt sind.
Eine Weitere Linie ist nicht Nackt, sondern trägt einen Minimalen Flaum
auf dem Körper - bei diesen Tieren können sowohl Wimpern wie Tasthaare
in Ursprünglicher Ausprägung vorhanden sein.
Durch das Einkreuzen von Rexratten bei privaten Züchtern traten die größten
Probleme auf, weil sich durch den Rexefekt sowohl die Tasthaare wie auch
die Wimpern zu kräuseln begannen und unter anderem Augenentzündungen hervor
brachten. Inzwischen wurde durch die selektive Zucht dieses Merkmal aber fast
in allen betreffenden Linien wieder revidiert.
Eine weitere Mutation die durch die private Zucht entstanden ist,
sind die sogenannten Patchwork-Ratten.
Diese Linie durchläuft oftmals mehrfache Fellwechsel, die meist die Rückendecke
der Ratten betreffen - es gibt aber auch Nacktratten wo sich dieser Fellwechsel
auf den ganzen Körper ausgedehnt hat.
wie bereits erwähnt, gibt es alle diese Linien auch mehr oder weniger Erbrein,
allerdings tauchen oftmals Nacktratten auf die mehrere dieser Eigenschaften
kombiniert haben. Hier sind die Züchter gefordert einen gesunden Mittelweg
zu finden und diesem auch treu zu bleiben.
Noch ein Wort zu den sogenannten
Patchwork-Nacktratten.
Diese Ratten sind durch Kreuzung zwischen Rexratten und Nacktratten
entstanden. Dabei kommt es zu einer Ratte die eine andere Fellstruktur
aufweist. Das Haar ist mehr oder weniger stark gekräuselt und in vielen
Fällen sind die einzelnen Haare auch stärker. Patchwork kommt ursprünglich
aus der Rexzucht - dort gibt es unzählige Mutationen und viele davon
werden ungeachtet miteinander verkreuzt. Zumindest bei drei Linien von
Rexratten ist bekannt, wenn diese Kombiniert werden - den Patchworkeffekt
auszulösen. Durch wildes drauf los verpaaren verschiedener Rattenlinien
ist dieses Gen leider weit verbreitet worden. Dieses Gen vererbt sich ebenfalls
rezessiv. Durch die veränderte Haarstruktur ist das Haar der Rexratte als
"Borstig"
zu beschreiben - bei der Kombination mit dem Gen für Nacktheit werden diese
Haare
nun noch brüchiger und so kommt es dazu das den Patchwork-Ratten die Haare
abbrechen
und sie somit nackt werden. Die Ratte verliert optisch oft in regelmäßigen
Abständen
ihr Fell ... die Haarwurzel bleibt allerdings vorhanden und das Haar wächst
weiter.
Bei dieser unerwünschten Kreuzungs- Mutation ist es so das diese erst in
privaten
Zuchten aufgetreten ist und dort vermehrt wurde.
Das Patchworkgen ist bei vielen Ratten zu finden, bei den Nacktratten wird es
aber
extrem sichtbar. Auch hier liegt es in der Hand der Züchter, die Träger dieses
Gens
ausfindig zu machen und aus der Zucht zu nehmen.
Allergiker und Nacktratten:
Oftmals wird von einer Tierhaarallergie gesprochen und in diesem Zusammenhang
wird auf die Vielzahl von "Nacktrassen" hingewiesen.
Diese Aussagen entsprechen teilweise der Richtigkeit aber leider nicht immer.
Bei der Tierhaarallergie muss man unterscheiden, oftmals werden die Reaktionen
nicht durch das Tier selbst sondern zum Beispiel durch das Futter
( seinen Bestandteilen ) oder durch das Einstreu ausgelöst.
Sollte dies Ausgeschlossen sein, kann die Allergie auch durch Substanzen
ausgelöst werden die am Haar der Tiere haften.
Dies betrifft oftmals die Proteine in Hautschuppen oder andere Stoffe,
die an den Haaren haften, wie Schweiß, Talg, Speichel, Kot oder Urin.
Wenn auch dies ausgeschlossen wurde kann man von einer eigentlichen
Allergie gegen Tierhaare sprechen.
Die Person reagiert also direkt und ausschließlich auf das Tierhaar.
In diesen Fällen kann man auf eine sogenannte "Nacktrasse" als Heimtier
zurückgreifen.
In keinen Fall darf diese Ausführung dazu verwendet werden,
um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Selbstbehandlung durchzuführen.
Sollten Fragen zu Allergien durch das Haustier auftreten,
ist ein geschulter Facharzt mit der Problematik zu konfrontieren.
Nacktratten sind vom RMCA Rat
Standart
und Rat & Mouse Fanciers for Excellence (RMFE)
als eigenständige Mutation anerkannt.
In beiden Standards wird eine möglichst "nackte" Ratte gefordert,
allerdings darf und ist eine "Restbehaarung" erlaubt und inzwischen erwünscht.
In beiden Standards gelten folgende Punkte als direkte Disqualifikation :
gekräuselte Wimpern,
fehlende Wimpern,
gekräuselte Tasthaare,
fehlende Tasthaare
gekräuselte Fellbereiche
Beide Standards weisen auf ein Verbot des einkreuzen von Rexratten hin,
ebenso werden Tiere ausgeschlossen die im Verdacht stehen "Krank" zu sein.
Unter "Krank" werden ebenso alle Punkte zusammengefasst die in den Standards
für normale Ratten voraus gesetzt werden und die nicht erfüllt werden.
Dazu zählen unter anderem :
Verheilte Wunden,
verheilte Narben,
Nicht typisches Verhalten und dergleichen...