Informationen zur Zucht von
Sphynxratten und Nacktratten

Etwas zur Zucht im Allgemeinen
Die Zuchtmethode stellt das Verfahren da,
das der Züchter zur Verwirklichung des Zuchtziels betreibt.
Die Züchterische Einteilung erfolgt dabei nach der Genetischen Wirkungsweise.
Man unterscheidet bei der Zucht in zwei Zuchtrichtungen:
Der Zucht nach dem Phänotyp und die Zucht nach dem Genotyp.
Die meisten privaten Liebhaber verpaaren ihre Ratten aufgrund des Phänotyps
und schenken dabei oftmals dem Genotyp keine Beachtung.

Bei der Zucht die sich nach dem Genotyp richtet wird wiederum in zwei Bereiche unterteilt:
Die erste stellt die Zuchtmethode zur Ausnutzung der Additiven Genwirkung
und die zweite stellt die Zuchtmethode zur Ausnutzung der nichtaddetiven Genwirkung da.
Beide Begriffe werden im folgenden kurz erläutert damit etwas mehr Klarheit besteht:

Folgende Zuchtmethoden werden bei der Additiven Genwirkung eingesetzt:
Inzucht
Linienzucht
Reinzucht
Kombinationskreuzung

Folgende Zuchtmethoden werden bei der nichtaddetiven Genwirkung eingesetzt:
Inzuchthybridisation
Linienhybridisation

Da trotz aller Aufklärung viele dieser Begriffe falsch verstanden werden,
fügen wir die entsprechenden Erklärungen hier ebenfalls an :

Inzucht:
Darunter sind Paarungen zwischen Individuen zu verstehen
die enger miteinander verwandt sind als der durchschnitt ihrer Population.
Unter professionellen Züchtern wird dieser Begriff verwendet
wenn die Tiere gemeinsame Vorfahren haben -
dabei liegt hier das besondere Augenmerk auf den ersten 6 Generationen.
Bei der Inzucht im weiteren Sinne wird das Ziel verfolgt,
seltene Genkombinationen zu erhalten und zu selektieren.
Bei der Inzucht wird ein Ahnenverlust bewusst in Kauf genommen.
Inzucht im engeren Sinne führt zu einer genotypischen
Differenzierung der Ursprungstiere.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der oft falsch Interpretiert wird,
ist das durch diese Zuchtmethode jeder Erbfehler und Gendefekt schnell sichtbar wird
und so klassisch selektiert werden kann.
Sowohl alle Positiven wie negativen Merkmale werden bei dieser Zuchtmethode
schonungslos offengelegt und aufgedeckt ...

Linienzucht:
Unter der Linienzucht versteht man die Paarungen einen Ausgangspaares
das bei der weiteren Zucht sich zu zwei selbständigen Blutlinien entwickelt.
Alle Weiblichen Nachkommen werden auf das Ursprungsmännchen zurückverpaart,
die Männlichen Nachkommen werden auf das Ursprungsweibchen zurück verpaart.
So können binnen 2 oder 3 Generationen neue und Blutsfremde Teilpopulationen
entwickelt werden, mit denen langfristig gezüchtet werden kann
ohne Inzuchtdepressionen befürchten zu müssen.

Reinzucht:
Durch die individuellen Zuchtwahl auf Merkmalsträger,
die hinsichtlich bestimmter Eigenschaften oder Exterieurmerkmale
über dem Rassedurchschnitt liegen, Werden vereinzelt vorkommende "Eigenschaften"
in ihrer relativen Häufigkeit gesteigert. Diese Zuchtmethode führt zu einer
Einengung der phänotypischen und genetischen Varianz.
Meist wird diese Zuchtmethode in der Farb- und Zeichnungszucht verwendet
und orientiert sich dann am optischen Erscheinungsbild in erster Linie.

Kombinationskreuzung:
Bei dieser Zuchtmethode werden verschiedene erbreine Stämme miteinander verpaart
um die gewünschten Eigenschaften ( sowohl Phänotyp wie Genotyp ) in einem neuen Stamm
zu verbinden. Kombiniert werden hierbei die quantitativen
und die qualitativen Merkmale oder Eigenschaften.

Inzuchthybridisation:
Hierbei wird bezweckt, nach Aufbau von Inzuchtlinie und anschließender Kreuzung
Heterosiseffekte zu erzielen. Diese Zuchtmethode wird bei der Rattenzucht
allerdings nur noch in sehr seltenen Fällen eingesetzt.

Linienhybridisation:
Hierbei wird bezweckt, nach Aufbau von bestimmten Linie und anschließender Kreuzung
ebenfalls Heterosiseffekte zu erzielen. Diese Zuchtmethode wird bei der Rattenzucht
nur noch in der Laborzucht eingesetzt.

zu den weitern Begriffen die in der Züchtersprache öfters auftauchen
und dann zu Verwirrung führen gehören :

Inzuchtdepressionen:
Dies bezeichnet eine Vitalitätsminderung die durch Inzucht ausgelöst wurde.
Da bei der Inzucht auch negative Eigenschaften weiter gezüchtet werden können -
trifft dieses Problem öfters auf.
Unter diesem Begriff versteht man bei Ratten zB.
die Einbüssung an Fruchtbarkeit, Gesundheit, Vitalität!

Inzuchtkoeffizient ( F % ):
Dies ist das Maß für die Inzucht eines Tieres.
Es ist gleich der Wahrscheinlichkeit, das Gene eines Genortes herkunftsgleich sind.
Im allgemeinen genügt es, den Inzuchtgrad eines Tieres anhand der letzten
4 bis 5 Generationen zu schätzen. Die hierzu erforderlichen Daten können den
Abstammungsnachweisen entnommen werden.

Verwandtschaftsverhältniss ( VSV ) zum Inzuchtkoeffizient der Nachkommen in %

Eltern X Kind
Vollgeschwister = 25 %
Großeltern X Enkel
Onkel X Nichten
Tante X Neffe = 12,5 %
Urgroßeltern X Urenkel
Großonkel X Großnichte
Großtante X Großneffe
Vettern X Basen = 6,25 %

Inzuchtschäden:
Im Gegensatz zur Inzuchtdepression tiefergreifende physiologische Beeinträchtigungen
als Folge der Verfolgung falscher Gene bei der Inzucht.
Als Häufige Ursachen ist hier das Auftreten von Erbkrankheiten
und des Lethalfaktoren zu nennen.

Was die oft "verteufelte" Inzucht betrifft möchten wir an dieser
Stelle auf den Goldhamster verweisen. Alle heute in Menschenhand
gehaltenen Goldhamster stammen aus ein und derselben Population
in Nord-Syrien ab. Am 12 April 1930 wurde von Professor Israel Aharoni
ein Muttertier mit 11 Jungen eingefangen. Drei Jungtiere überlebten
und mit diesen wurde an der Hebrew University of Jerusalem weitergezüchtet.
1931 folgten weitere Tiere aus dem gleichen Gebiet nach England,
Nachkommen dieser Tiere wurden 1938 in die USA gebracht. 1948 wurden USA
Nachzuchten nach Deutschland gebracht. Erst Anfang 1971 wurden wieder Tiere
in der Ursprungspopulation gefangen, und in USA Zuchtstämme eingegliedert.
Somit ist der Bestand Genetisch so nah miteinander verwandt
das es eigentlich zu Inzuchtschäden kommen müsste.
Warum kommt es dann nicht dazu ?
Das trotz dieser vermeintlichen Genetischen Armut keine Inzuchtdepressionen
entstehen basiert auf Purging.
Da die ausführliche Beschreibung von Purging auf dieser Seite zu weit gehen
würde, möchten wir den Interessierten Leser bitten dies durch
vertiefte Suche im Netz zu ergründen.
In der groben Kurzform kann man sagen das durch die Genetische Armut,
es zu Aufteilung und Umgruppierung der Gene kommt,
die wiederum Inzuchtdepressionen entgegenwirken.
Dieses Phänomen ist bereits bei vielen isoliert lebenden Tierarten wissenschaftlich belegt.
Unter künstlichen Bedingungen - also in der Zucht tritt dies ebenfalls auf.
 

Wer sich den Text bis hier durchgelesen hat, wird erahnen wie schwer eigentlich die wirkliche Zucht ist.

Züchten bedeutet das Ergebnis der Verpaarung nicht dem Zufall zu überlassen,
sowohl der Phänotyp wie auch der Genotyp werden bei der Zucht zu berücksichtigen
Jeder Züchter ist bemüht, gute und gesunde Jungtiere zu erhalten ...
Wer einfach nur junge von seinen Ratten bekommt - vermehrt einfach nur Ratten !

Um sich mit Nacktratten und deren Zucht näher zu beschäftigen
ist es nötig etwas mehr über die Genetik zu wissen.
In den Laborzuchtstämmen werden derzeit 3 Genetisch
verschiedene Modele gezüchtet.
Eine vierte Mutation von Nacktratten scheint spontan in einer privaten Zucht
entstanden zu sein, allerdings lässt sich nicht sicher klären ob bei der Zucht
nicht Trägertiere der drei Laborstämme zum Einsatz gekommen sind.
Die erste ist die Rowett Nude Rat ( RNU ),
die zweite wird als Fuzzy ( FZ ) bezeichnet und die dritte ist die
Shorn Rat ( SHN ). Alle drei vererben rezessiv und es kommt zu sogenannten
Trägertieren. Diese Trägertiere tragen nur das entsprechende Gen in sich
und können dies weitergeben. Die Rowett Nude Rats werden erstmals 1953 in
Schottland erwähnt, die Fuzzy-Ratte entstanden 1976 in einem Labor in Pennsylvania,
und die Shorn Rats wurden aus dem Sprague Dawel Rattenstamm in Connecticut 1998 gezüchtet.

Nacktratten werden in folgende 8 Labor Inzuchtstämme unterteilt :
BN/SSN, MR/N, BUF/N, WN/N, ACI/N, WKY/N, M520/N, und F344/N

Folgende Chromosomenpaare werden zugeordnet : 10, 1 und 7.
Ohne entsprechende Blutuntersuchungen kann heute leider nicht mehr festgestellt werden,
zu welchem Ursprungsstamm eine Nacktratte gehört.
Selbst mit entsprechender Blutuntersuchung ist es fast nicht möglich da in den vergangenen
Jahren extrem viele Blutlinien in die Nacktratten eingekreuzt wurden und
so das zurückverfolgen fast aussichtslos ist.
Als mehr als gesichert gilt das es sich bei den von privat Züchtern gehaltenen Nacktratten
fast ausnahmslos um Abkömmlinge des Rowett Nude Stammes handelt.
In den USA sind zwei private Züchter bekannt die genetisch reine Ratten aus der Shorn
Linie besitzen. Da diese Tiere identisch mit denen aus der Laborzucht sind, müssen
diese auch unter Labormaßnahmen gehalten werden. Eine Haltung als Haustier ist für
diese Originaltiere nicht möglich. Durch Einkreuzungen verschiedener anderer Stämme
sind Kombinationen entstanden die heute teilweise noch auftreten.
Ein Stamm setzt sich heute immer noch rezessiv durch, es handelt sich dabei um die
sogenannte Dumbo-Ratte.
Diese Kombination zwischen Nacktratte und Dumboratte entstand in einer privaten Zucht.

Die ersten Dumbo Ratten wurden 1990 in Kalifornien gezüchtet.
Das Dumbo-Gen vererbt sich ebenfalls rezessiv.
Die Dumbo Mutation trat in einer Privaten Zucht zum ersten Mal auf,
stammt also nicht aus einer Laborzucht wie oft fälschlicherweise behauptet wurde.
Die Problematik der Dumbos beruht oftmals auf sehr starke Inzuchtschäden,
um diese Ratte schnell zu züchten wurde ohne Rücksicht alles miteinander verpaart was
gerade möglich war. Durch selektive Auskreuzung sind inzwischen Dumbos ohne die
beschriebenen Probleme erhältlich.


Die ersten Dumboratten hatten aufgrund der starken Inzuchtschäden häufig Probleme
mit dem Gleichgewicht oder wurden taub.
Nachweislich beruht dies auf mangelnder Selektion in der Zucht.
Derartige Genetische Störungen sind inzwischen auch bei Farbratten aufgetreten
bei denen nachweislich kein Verwandtschaftsverhältnis zu Dumboratten besteht.
Derartige Genetische Störungen die sich auf das Zentrale Nervensystem der Tiere auswirken,
sind zu über 95% in der Zucht begründet und können binnen weniger Generationen ausgemerzt werden.
Gleiches gilt auch für eventuell auftretende Wirbelsäulenschäden und daraus resultierende Probleme.
Hier muss ganz klar eine größere Sorgfalt bei der Zucht zu Grunde gelegt werden.

Bei der Zucht kommt es darauf an wie die Verteilung der Gene ist. Ob diese in einfacher,
zweifacher oder doppelter Form vorliegen. Ratten besitzen 42 Chromosomen.
Wichtig ist auch ob die Tiere Heterozygot oder Homozygot sind,
selten treten auch sogenannte Polygene Tiere in einer Zucht auf.
Wie der Genetische Code des Tieres lautet wird in der Zucht über die Schreibweise angezeigt.

Hier nun die wichtigsten genetische Codes von Nacktratten und Dumboratten :

N - Nude Locus (rezessive)
Alleles  //  Name  // Erscheinung
N/N = Standard = kein Effekt
N/n = Träger = kein Effekt
n/n = Nacktheit = haarlos

Fz - Fuzzy Locus (rezessive)
Alleles  //  Name  //  Erscheinung
Fz/Fz = Standard = kein Effekt
Fz/fz = Träger = kein Effekt
fz/fz = fuzzy = Haarlos/Fuzzy

Du - Dumbo Locus (rezessive)
Alleles  //  Name  //  Erscheinung
Du/Du = Standard = kein Effekt
Du/du = Träger = kein Effekt
du/du = Dumbo = Dumbo Ohren


Unter Laborbedingungen ist es möglich die Bruder-Schwesterverpaarung bis in die 300ste Generation
zu bringen ohne das es zu Genetischen Schädigungen kommt. Das daraus resultierende Ergebnis
ist eine zu 99,9% übereinstimmende Genetik der Tiere.
Dies bedeutet das man fast nahezu identische natürliche Klone besitzt.

Wissenschaftlich gesehen stammen alle heute in Menschenhand gehaltenen Ratten
vom original Sprague-Dewley Stamm ab.
Die erste in der Literatur belegte Zucht von Ratten wird Anfang des 18Jahrhunderts belegt.
Königin Victoria unterhielt einen Königlichen Rattenfänger Namens Jack Black,
seine Aufgabe bestand in der Dezimierung von Ratten -
und um diese besser kennen zu lernen - züchtete er diese nach.

Durch spontane Mutationen ist es zu den heutigen Farbformen gekommen.
Derzeit ist davon auszugehen das jährlich etwa 10 neue spontane natürliche Mutationen
entstehen, etwa 20% dieser Mutationen lassen sich genetisch festigen und somit weiterzüchten.

 

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